Zum Inhalt springen

Restgas entfernen aus einer Gasleitung bei Apollensdorf: Abfackeln statt ausblasen senkt CO2-Emissionen um das 10fache

Leitungsbau_Absenken3.JPG

• Notwendig für Verbindung der erneuerten Ferngasleitung 61 Leps-Trajuhn mit anderen Leitungen

• Gassparendes Umpumpen in Zweitleitung nicht möglich

• Vorgesehener Zeitraum: 12. Juli 2021

 

Der Fernleitungsnetzbetreiber ONTRAS Gastransport GmbH (ONTRAS) erneuert seit dem 7. August 2019 die ONTRAS-Ferngasleitung (FGL) 61 Neugattersleben (Nienburg) - Trajuhn nordöstlich von Wittenberg. Diese Leitung ist ein wichtiger Transportweg für die sichere Energieversorgung Sachsen-Anhalts und angrenzender Regionen. Sie hat eine Gesamtlänge von ca. 74 Kilometern und einen Durchmesser von 50 Zentimetern bzw. zw. Apollensdorf und Piesteritz 40 Zentimetern. Mit der Erneuerung erfüllt ONTRAS u. a. die Verpflichtung des Energiewirtschaftsgesetzes für Betreiber von Fernleitungsnetzen in §15, Abs. 2: „… dauerhaft die Fähigkeit ihrer Netze sicherzustellen, die Nachfrage nach Transportdienstleistungen für Gas zu befriedigen und insbesondere durch entsprechende Transportkapazität und Zuverlässigkeit der Netze zur Versorgungssicherheit beizutragen.“ Die erneuerte Leitung wird zukunftsfest sein ist auch für den künftigen Transport von Wasserstoff ausgelegt.

Nachdem die Leitung nahezu komplett erneuert ist, muss sie jetzt noch auf der Station Apollensdorf mit anderen Leitungen verbunden werden. Bevor die Arbeit dazu beginnen kann, wird der Druck über das nachgelagerte Netz so weit wie möglich abgesenkt. Leider ist es in diesem Fall nicht möglich, das dann noch verbleibende Restgas mit einem mobilen Verdichter in eine andere Leitung umzupumpen und damit die Rohre nahezu ohne Emissionen gasfrei zu machen. Statt jedoch das Restgas - wie es zulässig wäre und früher auch weit verbreitet war - kontrolliert in die Atmosphäre auszublasen, wird es über eine Fackel kontrolliert abgebrannt. Dabei entsteht zehnmal weniger CO2-Äquivalent als beim Ausblasen (mehr dazu siehe Hintergrund).

Dafür wurde heute, 12. Juli 2021 eine mobile Fackelanlage an der ONTRAS Station in Apollensdorf zwischen Griebo und Apollensdorf aufgestellt. Die Fackel wird seit 7:20 Uhr unter ständiger, fachkundiger Aufsicht betrieben. Insgesamt werden etwa 81.000 Kubikmeter Gas verbrannt. Anschließend werden die gasfrei zu machenden Leitungs- und Anlagenteile noch mit Luft gespült, um auch noch die letzten Reste der ursprünglichen Füllung zu entfernen. Erst danach können die geplanten Arbeiten beginnen. Während des Verbrennungsprozesses kann es zu Lärmbelästigungen kommen. Wir haben die Ordnungsbehörde und die Rettungsleitstellen darüber informiert und das Vorgehen abgestimmt.

Wir bitten um Verständnis für diese vorübergehende Maßnahme.

Hintergrund

ONTRAS hat sich in seinem Nachhaltigkeitsprogramm u. a. dazu verpflichtet, Gasaustritte bei Reparaturarbeiten so weit wie technisch möglich zu minimieren. 2019 konnten durch entsprechende Maßnahmen gegenüber den beim Ausblasen von Methan entstehenden Emissionen bereits 68 % vermieden werden. Mehr siehe Nachhaltigkeitsbericht.

Generell wird der Druck in dem betreffenden Leitungsabschnitt in Zusammenarbeit mit nachgelagerten Netzbetreibern und Großverbrauchern zunächst so weit wie möglich verringert. Für die Entfernung der dann noch verbleibenden Restgasmenge stehen, abhängig von den Gegebenheiten vor Ort, verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Liegt eine zweite, in Betrieb befindliche Leitung in unmittelbarer Nähe, kann die Gasmenge durch Umpumpen in diese Leitung wieder dem System zugeführt und weiterverwendet werden, sofern sie diese zusätzliche Gasmenge noch mittransportieren kann. Technisch bedingt – der Druck in einer Leitung lässt sich durch Umpumpen nicht beliebig absenken – muss dann nur noch eine sehr geringe Restmenge anderweitig entfernt werden.
  2. Ist kein Umpumpen möglich, wurde in der Vergangenheit meist eine Ausblasvorrichtung installiert und das Restgas kontrolliert ausgeblasen. Da jedoch Methan, der wesentliche Bestandteil von Erdgas, bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren das Klima 25 Mal mehr beeinträchtigt als CO2, würde dabei jeder Kubikmeter Methan (0,75 Kilogramm) 19 Kilogramm CO2-Äquivalent freisetzen.
  3. Günstiger für die Umwelt ist es daher, dieses Restgas, wie im vorliegenden Fall, stattdessen über eine Fackel kontrolliert zu verbrennen. Dabei wird war CO2 freigesetzt, jedoch kein Methan und der THG-Ausstoß verringert sich um rund das Zehnfache. Deshalb setzt ONTRAS dieses Verfahren als Zwischenlösung ein, wo kein Umpumpen möglich ist.
  4. Mittelfristig arbeitet ONTRAS jedoch an Lösungen, das Ausblasen von Restgasmengen ganz zu vermeiden, etwa durch Einsetzen einer mobilen Gasverflüssigungsanlage.