Zum Inhalt springen

Restgas entfernen aus einer Gasleitung bei Tromsdorf (Gemeinde Eckartsberga): Abfackeln statt ausblasen senkt CO2-Emissionen um das 10fache

Leitungsbau_Absenken1.JPG

In den kommenden Monaten will der Fernleitungsnetzbetreiber ONTRAS Gastransport GmbH, Leipzig die Gasdruckmess- und Regelanlage Burggraf-Bernsdorf (Verbandsgemeinde an der Finne, OT Billroda) erneuern und einige Teilstücke der Ferngasleitung 40.05 (FGL 40.05) austauschen. Diese Leitung verbindet die von Bad Dürrenberg kommende FGL 40 im Süden über die Anschlussleitung 46.02 von Burggraf-Bernsdorf nach Landgrafroda mit der FGL 46, die zwischen Malterode (Thüringen) und Merseburg verläuft. Für die Arbeiten müssen die betreffenden Leitungsstücke sowie die Anlage zuvor durch Schließen von Absperrarmaturen vom Gasstrom abgetrennt und das darin verbliebene Restgas entfernt werden.

Dazu wird ONTRAS in der Ortslage Tromsdorf (Gemeinde Eckartsberga, Freistaat Sachsen) am 6. und 7. April 2020 eine Bodenfackel einsetzen. Nach deren Aufbau wird die Fackel am ersten Tag bis ca. 19.00 sowie am Folgetag von 7:00 bis in den Abend hinein brennen. Anschließend erfolgt noch am selben Tag der Abbau und Abtransport der Fackelanlage. Am Folgetag wird das noch im abgetrennten Leitungssystem verbliebene, durch Abfackeln nicht restlos zu entfernende Restgas kontrolliert ausgeblasen. Um die abzufackelnde Restgasmenge so gering wie möglich zu halten, senkt ONTRAS zuvor mit Unterstützung des nachgelagerten Netzbettreibers den Druck in den betreffenden Anlagenteilen zwischen Roßleben, Burggraf-Bernsdorf und Ködderitzsch auf ca. acht bar (etwa der Druck in einem Rennrad-Reifen). Allein das vermeidet Gasverluste in Höhe von ca. 63.000 Kubikmetern (ausreichend für die einjährige Versorgung von 30 Einfamilienhäusern). Das nachfolgende Abfackeln der verbliebenen Restmenge ist unvermeidbar, da in dem betroffenen Bereich keine Möglichkeit besteht, diese Menge durch Umpumpen mit einer mobilen Verdichteranlage in eine andere Leitung zu erhalten und weiterzuverwenden. Nach derzeitigem Planungsstand wird das noch verbliebene Restgas daher in der Nähe der Ortschaft Tromsdorf am 6. April 2020 vormittags bis ca. 19:00 Uhr und am 7. April ab ca. 7:00 bis in die Abendstunden über eine Fackel kontrolliert abbrennen.

„Wir verzichten auf das sonst übliche Ausblasen, bei dem das Erdgas kontrolliert in die Atmosphäre gelangt. Denn eine so entsorgte Gasmenge würde das Klima zehn Mal stärker belasten als das CO2, dass wir beim Verbrennen dieses Gases über eine Fackel freisetzen“, erläutert Ralf Borschinsky, Pressesprecher bei ONTRAS, das Verfahren (mehr dazu in der „Hintergrundinformation“ auf der Folgeseite).

Die Fackel wird unter ständiger, fachkundiger Aufsicht betrieben und insgesamt etwa 25.000 Kubikmeter Erdgas verbrennen. Anschließend werden die gasfrei zu machenden Leitungsund Anlagenteile noch mehrmals mit Luft gespült, um auch noch die letzten Reste der ursprünglichen Erdgasfüllung zu entfernen. Erst danach können die geplanten Bauarbeiten beginnen.

Die Bauarbeiten
Während der ehemalige Untergrundgasspeicher Burggraf-Bernsdorf endgültig verwahrt wird und die Arbeiten zur Verfüllung der beiden Schächte noch im Gange sind, wird die ebenfalls auf diesem Gelände befindliche alte Gasdruck-Mess- und Regelanlage abgerissen und anschließend mit moderner Technik und kleinerem Gebäude wieder neu aufgebaut. Diese Arbeiten sollen voraussichtlich im Oktober 2020 abgeschlossen werden. Im Sommer tauscht ONTRAS zudem bei der FGL 40.05 eine Gewässerquerung sowie zwei Querungen von Verkehrswegen aus, ersetzt eine Armaturengruppe und beseitigt Fehlstellen im kathodischen Korrosionsschutz. Diese Arbeiten werden von Anfang Juli bis Ende August 2020 laufen.

Hintergrundinformation
ONTRAS hat sich in seinem Nachhaltigkeitsprogramm u. a. dazu verpflichtet, Gasaustritte bei Reparaturarbeiten zu vermeiden. Für die Entfernung dieser Restgasmengen stehen, abhängig von den Gegebenheiten vor Ort, verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung:
1) Liegt eine zweite, in Betrieb befindliche Leitung in unmittelbarer Nähe, kann die Gasmenge durch Umpumpen in diese Leitung wieder dem System zugeführt und weiterverwendet werden. Technisch bedingt – der Druck in einer Leitung lässt sich durch Umpumpen nicht beliebig absenken – muss dann nur noch eine geringe Restmenge
anderweitig entfernt werden.
2) Ist kein Umpumpen möglich, wird zunächst der Betriebsdruck – wie für Tromsdorf beschrieben - so weit wie möglich abgesenkt, um die Restmenge zu reduzieren. Dann wird eine Ausblasvorrichtung installiert und das Restgas kontrolliert ausgeblasen. Da aber Methan, der wesentliche Bestandteil von Erdgas, bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren das Klima 25 Mal mehr beeinträchtigt als CO2, würde dabei jeder Kubikmeter Methan (0,75 kg) 19 Kilogramm CO2-Äquivalent freisetzen.
3) Günstiger für die Umwelt ist es, dieses Restgas stattdessen in einer Fackel kontrolliert zu verbrennen. Dieser Prozess verringert den CO2-Ausstoß um rund das Zehnfache. Deshalb setzt ONTRAS dieses Verfahren als Zwischenlösung ein, wo kein Umpumpen möglich ist.
4) Mittelfristig arbeitet ONTRAS jedoch an Lösungen, das Ausblasen von Restgasmengen ganz zu vermeiden, etwa durch Einsetzen einer mobilen Gasverflüssigungsanlage.