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Restgas entfernen aus einer Gasleitung bei Apollensberg: Abfackeln statt ausblasen senkt CO2-Emissionen um das 10fache

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Restgas entfernen aus einer Gasleitung bei Apollensberg (westlich Lutherstadt

Wittenberg):

Abfackeln statt ausblasen senkt CO2-Emissionen um das 10fache

- Notwendig für Erneuerung der Ferngasleitung 61 Leps-Trajuhn

- Voraussichtliche Dauer des Abfackelns: 4.-6. April 2020

In diesen Monaten erneuert der Fernleitungsnetzbetreiber ONTRAS Gastransport GmbH, Leipzig die Ferngasleitung 61 zwischen Leps und Trajuhn (Lutherstadt Wittenberg). Diese Leitung mit ihren Verbindungen zu weiteren Ferngasleitungen Richtung Magdeburg und Salzwedel, Süden/Südosten Richtung Halle, Leipzig und Osten Richtung Lauchhammer ist ein wichtiger Transportweg für die sichere Energieversorgung Sachsen-Anhalts und angrenzender Regionen. Das Gas wird zudem an vier Netzkopplungspunkten über die Netze von Verteilnetzbetreibern bis zu den Verbrauchern in den einzelnen Regionen transportiert. Weiterhin speist eine Biogasanlage Biomethan ins ONTRAS-Netz ein. Die Leitung wurde 1963 errichtet und ist für einen max. Betriebsdruck von 25 bar (DP 25) ausgelegt. Sie hat einen Durchmesser von 50 Zentimetern (DN 500).

Für die Arbeiten müssen die betreffenden Leitungsstücke sowie die Anlage zuvor durch Schließen von Absperrarmaturen vom Gasstrom abgetrennt und das darin verbliebene Restgas entfernt werden. Dazu wird ONTRAS am Netzknotenpunkt Apollensberg nördlich der Ortslagen Griebo bzw. Apollensdorf (westlich Lutherstadt Wittenberg) vom 4. bis 6. April 2020 eine Bodenfackel einsetzen. Nach deren Aufbau am Sonnabend, 4. April 2020 wird die Fackel an diesem Tag gezündet und bis in den Montag (6. April 2020) hinein das Restgas kontrolliert abgebrannt. Anschließend erfolgt noch am selben Tag der Abbau und Abtransport der Fackelanlage. Am Folgetag wird das noch im abgetrennten Leitungssystem verbliebene, durch Abfackeln nicht restlos zu entfernende Restgas kontrolliert ausgeblasen.

Um die abzufackelnde Restgasmenge so gering wie möglich zu halten, senkt ONTRAS zuvor mit Unterstützung des nachgelagerten Netzbettreibers MITNETZ GAS den Druck in den betreffenden Anlagenteilen auf ca. 16 bar (etwa der Druck in 160 Meter Wassertiefe). Allein das vermeidet Gasverluste in Höhe von ca. 46.000 Kubikmetern Gas (ausreichend für die einjährige Versorgung von 20 Einfamilienhäusern). Das nachfolgende Abfackeln der verbliebenen Restmenge ist unvermeidbar, da in dem betroffenen Bereich keine Möglichkeit besteht, diese Menge durch Umpumpen mit einer mobilen Verdichteranlage in eine andere Leitung zu erhalten und weiterzuverwenden. Auch eine weitere vorherige Druckabsenkung ist an dieser Stelle nicht möglich.

„Wir verzichten auf das sonst übliche Ausblasen, bei dem das Erdgas kontrolliert in die Atmosphäre gelangt. Denn eine so entsorgte Gasmenge würde das Klima zehn Mal stärker belasten als das CO2, dass wir beim Verbrennen dieses Gases über eine Fackel freisetzen“, erläutert Ralf Borschinsky, Pressesprecher bei ONTRAS, das Verfahren (mehr dazu in der „Hintergrundinformation“).

Die Fackel wird unter ständiger, fachkundiger Aufsicht betrieben und insgesamt etwa 77.000 Kubikmeter Erdgas verbrennen. Anschließend werden die gasfrei zu machenden Leitungsund Anlagenteile noch mehrmals mit Luft gespült, um auch noch die letzten Reste der ursprünglichen Erdgasfüllung zu entfernen. Erst danach können die geplanten Bauarbeiten beginnen.

Stand der Bauarbeiten zur Erneuerung der FGL 61
Der Bauabschnitt zwischen Pakendorf und Mühlstedt ist zu über 90 Prozent fertig gestellt. Anfang April wird noch die Armaturengruppe Pokendorf ausgetauscht sowie die bereits erneuerte Armaturengruppe Mühlstedt mit dem neuen Leitungsstrang verbunden. Dann wird der bis dahin für den Transport in diesem Abschnitt genutzte Leitungsweg abgelöst und die erneuerte Leitung geht wieder in Betrieb.

Hintergrundinformation
ONTRAS hat sich in seinem Nachhaltigkeitsprogramm u. a. dazu verpflichtet, Gasaustritte bei Reparaturarbeiten zu vermeiden. Für die Entfernung dieser Restgasmengen stehen, abhängig von den Gegebenheiten vor Ort, verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung:
1) Liegt eine zweite, in Betrieb befindliche Leitung in unmittelbarer Nähe, kann die Gasmenge durch Umpumpen in diese Leitung wieder dem System zugeführt und weiterverwendet werden. Technisch bedingt – der Druck in einer Leitung lässt sich durch Umpumpen nicht beliebig absenken – muss dann nur noch eine geringe Restmenge
anderweitig entfernt werden.
2) Ist kein Umpumpen möglich, wird zunächst der Betriebsdruck – wie für Apollensberg beschrieben - so weit wie möglich abgesenkt, um die Restmenge zu reduzieren.
Dann wird eine Ausblasvorrichtung installiert und das Restgas kontrolliert ausgeblasen. Da aber Methan, der wesentliche Bestandteil von Erdgas, bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren das Klima 25 Mal mehr beeinträchtigt als CO2, würde dabei jeder Kubikmeter Methan (0,75 kg) 19 Kilogramm CO2-Äquivalent freisetzen.
3) Günstiger für die Umwelt ist es, dieses Restgas stattdessen in einer Fackel kontrolliert zu verbrennen. Dieser Prozess verringert den CO2-Ausstoß um rund das Zehnfache. Deshalb setzt ONTRAS dieses Verfahren als Zwischenlösung ein, wo kein Umpumpen möglich ist.
4) Mittelfristig arbeitet ONTRAS jedoch an Lösungen, das Ausblasen von Restgasmengen ganz zu vermeiden, etwa durch Einsetzen einer mobilen Gasverflüssigungsanlage.