Senken von Restgasvolumen: Abfackeln statt Ausblasen senkt CO2-Emissionen

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Entfernen des Restgases aus einer Ferngasleistung bei Retzau: Maßnahme für den Rückbau zweier Armaturengruppen wegen Deichausbaus an der Mulde notwendig

Bei Retzau (Sachsen-Anhalt) quert die Ferngasleitung (FGL) 202 Raguhn-Brandenburg der ONTRAS Gastransport GmbH die Mulde. In diesem Bereich befinden sich beidseitig der Mulde auch zwei Absperrarmaturen. ONTRAS hat sich verpflichtet, diese zurückzubauen, um die Baufreiheit für eine Deichbaumaßnahme des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt an der Mulde zu gewährleisten. Deshalb werden bis voraussichtlich Ende November dieses Jahres die beiden Armaturengruppen zurückgebaut. Dafür muss das betreffende Leitungsstück der Leitung zuvor durch Schließen von Absperrarmaturen vom Gasstrom abgetrennt und das darin verbliebene Restgas entfernt werden.

Maßnahmenvorbereitend wird der Leitungsdruck, und damit das verbleibende Restgasvolumen, über die Verdichteranlage Bobbau vor der Abtrennung des betreffenden Abschnitts soweit wie technologisch möglich abgesenkt. In dem betroffenen Bereich der FGL 202 besteht keine Möglichkeit, das Restgas durch Umpumpen mittels einer mobilen Verdichteranlage in eine andere Leitung zu erhalten und damit weiterzuverwenden. Nach derzeitigem Planungsstand wird das noch verbliebene Restgas am 23. Oktober beginnend ab ca. 07:30 Uhr über eine Fackel kontrolliert abbrennen. „Wir verzichten dabei bewusst auf das sonst übliche Ausblasen, bei dem das Gas einfach nur kontrolliert in die Atmosphäre gelangt. Denn eine so entsorgte Gasmenge würde das Klima um ein Zehnfaches mehr belasten als das CO2, dass wir beim Verbrennen freisetzen“, erläutert Ralf Borschinsky, Pressesprecher bei ONTRAS, das Verfahren.

Die Fackel wird unter ständiger, fachkundiger Aufsicht betrieben und voraussichtlich insgesamt etwa 30 Stunden brennen, bis die Gesamtmenge von etwa 82.500 Kubikmetern Erdgas verbrannt sind. Anschließend wird die Leitung noch mehrmals mit Luft gespült, um auch noch die letzten Reste der ursprünglichen Erdgasfüllung zu entfernen. Dann erst können die eigentlichen Bauarbeiten beginnen.

Hintergrundinformation

ONTRAS hat sich in seinem Nachhaltigkeitsprogramm u. a. dazu verpflichtet, Gasaustritte bei Reparaturarbeiten zu vermeiden. Für die Entfernung dieser Restgasmengen stehen, abhängig von den Gegebenheiten vor Ort, verschiedene technische Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Liegt eine zweite, in Betrieb befindliche Leitung in unmittelbarer Nähe, kann die Gasmenge durch Umpumpen in diese Leitung wieder dem System zugeführt undweiterverwendet werden. Technisch bedingt – der Druck in einer Leitung lässt sich durch Umpumpen nicht beliebig absenken – muss dann nur noch eine geringe Restmenge anderweitig entfernt werden.
  2. Ist kein Umpumpen möglich, wird zunächst der Betriebsdruck so weit wie möglich abgesenkt, um die Restmenge zu reduzieren. Dann wird eine Ausblasvorrichtung installiert und das Restgas kontrolliert ausgeblasen. Da aber Methan, der wesentliche Bestandteil von Erdgas, bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren das Klima 25 Mal mehr beeinträchtigt als CO2, würde dabei jeder Kubikmeter Methan (0,75 kg) 19 Kilogramm CO2-Äquivalent freisetzen.
  3. Günstiger für die Umwelt ist es, dieses Restgas stattdessen in einer Fackel kontrolliert zu verbrennen. Dieser Prozess verringert den CO2-Ausstoß um rund das Zehnfache. Deshalb setzt ONTRAS dieses Verfahren als Zwischenlösung ein, wo kein Umpumpen möglich ist.
  4. Mittelfristig arbeitet ONTRAS jedoch an Lösungen, das Ausblasen von Restgasmengen ganz zu vermeiden, etwa durch Einsetzen einer mobilen Gasverflüssigungsanlage.
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